Blick durch die Bäume auf die Kapelle des Odilieninstituts

Im Jahr 1880 wurde in Graz auf Initiative des blinden Organisten und Klavierstimmers Gustav Garzaner der „Odilienverein zur Fürsorge für die Blinden Steiermarks“ gegründet.
Am 10. Mai 1881 wurde mit 5 Zöglingen die Anstalt (das heutige Verwaltungsgebäude) unter dem Protektorat Ihrer kaiserlichen Hoheit der Kronprinzessin von Österreich, Erzherzogin Stephanie, eröffnet.
Durch großzügige Förderungen seitens namhafter Persönlichkeiten war es möglich geworden in den Jahren 1885/86 einen dringlichst notwendigen Anbau zu errichten.
In den Jahren 1902/03 wurde der bereits geplante weitere Zubau errichtet, womit das Institutsgebäude die heutige Länge von 144 Metern erreichte.

Nun konnte man alle steirischen Sehbehinderten und Blinden im Alter von 7 bis 16 Jahren aufnehmen.

Das Angebot reichte nun von einer Abteilung für Kinder unter 7 Jahren, einer Volksschule und einer Fortbildungsabteilung für Zöglinge ab 16 Jahren.

Die Fortbildungsabteilung war deshalb notwendig weil die gewerbliche Ausbildung mit dem vollendeten 16. Lebensjahr nicht abgeschlossen werden konnte.
Die Handwerksberufe Korbmachen, Sesselflechten und Bürstenbinden wurde gelehrt.
Besonders wurde auf Musik – und Turnunterricht Wert gelegt.

Im Jahresbericht 1906, anlässlich des 25- jährigen Bestandsjubiläums, wurde der Zweck der Anstalt folgendermaßen umschrieben:

"Der Zweck des Blindenunterrichtes ist in erster Linie, den Blinden jene Bildung des Geistes und des Herzens beizubringen, welche den vollsinnigen Kindern gewöhnlich in der Volksschule vermittelt wird. In zweiter Linie ist es Aufgabe der Blindenanstalt, ihre Zöglinge auch insofern für das Leben zu erziehen, dass dieselben, sei es in Musik oder in einem Handwerke, so weit ausgebildet werden, um mit dem Erlernten ihr Brot verdienen zu können."


Als Folge des 1. Weltkrieges trat 1916 der erste Kriegsblinde in die Anstalt ein.
Damit begann ein völlig neuer Aufgabenbereich, der weit größer war als man annehmen konnte. 81 Kriegsblinde wurden bis 1920 unterrichtet.

Die Nachkriegszeit bedeutete für den Odilien-Verein die schwerste wirtschaftliche Probe. 1927 erlangte die Anstalt das Öffentlichkeitsrecht für ihre Fortbildungsschule und es wurde mit der systematischen Ausbildung im Gebrauch der Schreibmaschine begonnen.

1930 begab sich der damalige Direktor Dr. Kortschak auf eine längere Reise nach Nordamerika, um die dortigen Einrichtungen auf dem Gebiet der Blindenfürsorge kennen zu lernen. Auch englische und französische Einrichtungen wurden besucht um die so gesammelten Erfahrungen in der eigenen Anstalt umsetzen zu können.

In der Zeit des Nationalsozialismus musste sich das Odilien-Institut der „Deutschen Wohlfahrt“ unterstellen. Ein großer Teil der Räumlichkeiten wurde für fremde Zwecke belegt.
Nach den schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahren bemühte man sich um die weitere Fortbildung der Zöglinge und erreichte auch für die Hauptschule sowie für die eigenständige Berufsschule das Öffentlichkeitsrecht.

1979 wurde ein neues Gebäude im Ausmaß von 1700 m² verbauter Fläche, zum Zwecke der Berufsausbildung und eines Werkstättenbetriebes, in Betrieb genommen.

Nach jahrelangen Diskussionen und Planen wurde 1993 der Startschuss für eine Generalsanierung der gesamten Objekte gegeben. 1996 begann eine 3-jährige intensive Umbauphase bei aufrechten Institutsbetrieb.

Mit Vollendung dieses Jahrhundertumbaues stehen 10.000 m² Wohn- und Nutzflächen und noch einmal soviel neuadaptierte Parkflächen für die Schulung und Betreuung von sehbehinderten und blinden Menschen zur Verfügung.

An dieser Stelle sei allen Bewohnern und Bediensteten im Odilien-Institut gedankt, für die Geduld, Mühen und Opfer, die sie auf sich nehmen mussten, damit dieses Jahrhundertereignis möglich gemacht werden konnte.

Heute ist das „Odilien-Institut für sehbehinderte und blinde Menschen“ in Graz jene Einrichtung, die „Beratung – Bildung – Betreuung“, laut Auftragsverständnis aus den Statuten im vollem Umfang gerecht wird.

Impressum Datenschutz

Odilien-Institut für sehbehinderte oder blinde Menschen
Leonhardstraße 130, A-8010 Graz, Tel: +43 (0) 316/322 667-0, E-Mail: verwaltung@odilien.at

 
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