Echte oder unechte Integration?

Anmerkungen zur Integrationsdebatte in Medien

Nachhaltige berufliche Bildung als Sackgasse, oder, eine Basis für ein weitgehend selbstbestimmtes Leben?

Als Leiter spezieller Schulen bzw. Mitarbeiter einer Institution, die sich mit der Beratung, Bildung und Betreuung von Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit intensiv auseinandersetzt, sehe ich mich veranlasst, Wahrnehmungen und Erfahrungen in der beruflichen Bildung in Spezialschulen in die Debatte über integrative Ausbildung von Menschen mit Behinderung einzubringen.

Vielleicht mag diese Formulierung schon etwas nach einer Entschuldigung oder Rechtfertigung klingen. Tatsächlich ist es so, dass man als Vertreter einer speziellen Schule in der öffentlichen Diskussion über das Thema Integration als jemand abgestempelt wird, der Integration von Menschen mit Behinderung bremst oder gar behindert.

Ich meine, genau das Gegenteil ist der Fall. Mit dieser Feststellung möchte ich in keinster Weise die Arbeit und das Engagement jener Kolleginnen und Kollegen, die in der Integration oder in verschiedenen Institutionen arbeiten, schmälern, sondern außer Streit stellen, dass es die gleiche Intention von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von speziellen Schulen bzw. Einrichtungen ist, die die Integration von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft und Arbeitswelt nachhaltig unterstützen bzw. umfassend fördern.

Undifferenzierte Aussagen in Printmedien wie "Sonderschulen als klarer Verstoß gegen Recht auf Bildung", "Menschen mit Behinderungen werden aus dem Bildungssystem ausgeschlossen und das Sonderschulsystem widerspricht der UN-Konvention und ist damit menschenrechtswidrig" spiegeln nicht die Realität wider und wirken in vielen Fällen nicht unterstützend bei der Bewältigung der täglichen Herausforderungen der betroffenen Menschen, sowohl in ihrem persönlichen als auch beruflichen Bereich. Abgesehen davon zeugen diese journalistischen Darstellungen nicht von guter Recherche. Ein kurzer Auszug aus der UN-Konvention, Artikel 24, kann dies verdeutlichen.

(3) Die Vertragsstaaten ermöglichen Menschen mit Behinderungen, lebenspraktische Fertigkeiten und soziale Kompetenzen zu erwerben, um ihre volle und gleichberechtigte Teilhabe an der Bildung und als Mitglieder der Gemeinschaft zu erleichtern. Zu diesem Zweck ergreifen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen, unter anderem

c)"…sie stellen sicher, dass blinden Menschen, Bildung und Sprache in den Kommunikationsformen und mit den Kommunikationsmitteln, die für den Einzelnen am besten geeignet sind, sowie in einem Umfeld vermittelt, das die bestmögliche schulische und soziale Entwicklung gestattet." Daraus kann kein Auftrag zu einem uneingeschränkten integrativen Bildungssystem abgelesen werden, sondern der Auftrag zur bestmöglichen Förderung von Menschen mit Behinderung.

Nicht das Wo wird hier in den Vordergrund gerückt, sondern das Wie und das Was. Davon ausgehend muss das uneingeschränkte und freie Wahl- und Entscheidungsrecht der Eltern bzw. Betroffenen unangetastet bleiben.

Die Frage, die sich für Betroffene stellt, ist, ob eine integrative Ausbildungsform, die den Anforderungen des Einzelnen mit seinen Bedürfnissen entsprechen kann, angestrebt wird, oder, ob eine intensive Auseinandersetzung mit blinden- oder sehbehindertenspezifischen Inhalten (Fertigkeiten), die eine Voraussetzung für die berufliche und gesellschaftliche Integration darstellen, gewählt wird.

Einige Gründe, die häufig zur Wahl einer unserer Spezialschulen führen, seien hier angeführt:

  • Der gesamte Förderbedarf wird von spezialisiertem Fachpersonal durchgeführt
  • Theoretischer und praktischer Unterricht in kleineren Gruppen mit individueller Förderung
  • lebenspraktische Fertigkeiten als gleich berechtigter Teil der Ausbildung
  • Ausbildungsangebote auf verschiedenen Ausbildungsebenen mit unterschiedlichen Ausbildungsabschlüssen
  • Herstellung von Kontakten mit der Wirtschaft in Form von Praktika und Schnuppertagen
  • Austausch und Kontakt mit Menschen ähnlich gelagerter Bedürfnisse

Vielleicht sollte in der Diskussion nicht so sehr der Ort des Geschehens - wie schon erwähnt - in den Vordergrund gerückt werden, sondern vielmehr über Inhalte und Bedürfnisse in den alternativ zur Verfügung stehenden Bildungsangeboten nachgedacht werden. Hier gibt es auf allen Bildungsebenen nach wie vor viel zu tun. Damit eine spezielle Schule oder Institution ihre Daseinsberechtigung behält und ihr Angebot entfalten kann, wird sie sich weiterentwickeln und den Herausforderungen der Zeit aktiv und kreativ stellen müssen. Die Beurteilung, ob eine echte oder unechte Integration vorliegt/stattfindet, sollte jedoch den betroffenen Menschen vorbehalten sein.

Dir. Franz Masser
Schulleiter Fachschulen

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